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Gesundheitshaus in der Rossini-Straße: Medizinische und logistische Herausforderungen dürfen nicht übersehen werden
Die Gemeinderätin Dr.in Sabine Kiem und Gemeinderatskandidat sowie Gemeindesekretär Robert Ladurner nehmen zusammen mit Julia Dalsant, Fraktionssprecherin, und Olivia Kieser, Gemeinderätin der Grünen Stadtliste Meran in einer gemeinsamen Aussendung Stellung zum im Bau befindlichen Gesundheitshaus („Casa della Comunità“) in der Rossini-Straße. Die Einrichtung wird mit Mitteln aus dem Aufbau- und Resilienzplan (PNRR) sowie durch zusätzliche Finanzierungen der Autonomen Provinz Bozen realisiert.
Die Bürgermeisterkandidatin des Mitte- Links- Bündnis Ulrike Ceresara sieht im Vorgehen der Stadtregierung Dal Medico/Zeller einige Kritikpunkte. „Obwohl das Vorhaben grundsätzlich begrüßt wird, verweisen Team K und Grüne Stadtliste zurecht auf mehrere kritische Aspekte hin, die in der aktuellen Planung zu wenig berücksichtigt werden: medizinische Versorgungskontinuität und logistische Infrastruktur. Außerdem bringt dieses Projekt ein vermehrtes Verkehrsaufkommen mit sich. Besonders bei Landesprojekten, wie in diesem Fall, muss eine Stadtregierung beweisen, dass sie die Bürger*innen ihrer Stadt aufklärt und das Beste für sie aushandelt. Der Bau des Gemeinschaftshauses zeigt gut auf, dass die Stadtregierung die Bevölkerung nicht einbezogen hat, da viele Bürger:innen von diesem Projekt überhaupt nichts wissen“, sagt Ulli Ceresara.
Fehlende Anbindung ans Krankenhaus
Aus medizinischer Sicht problematisch ist die fehlende unterirdische Verbindung zwischen dem neuen Gesundheitshaus und dem Krankenhaus Meran. Die geplanten 35 Intermediärbetten sind für Patientinnen und Patienten vorgesehen, die nicht mehr akut behandlungsbedürftig sind, jedoch auch nicht direkt nach Hause entlassen werden können. Derzeit ist vorgesehen, diese Patientinnen und Patienten per Rettungswagen über die enge Rossini-Straße zum neuen Gebäude zu bringen (einige wenige hundert Meter) – ein zusätzlicher logistischer Aufwand, der nicht nur Kosten verursacht, sondern auch den Verkehr in der bereits belasteten Straße weiter verstärken wird.
Hausärzte ohne Infrastruktur
Im Gesundheitshaus sollen zudem vier bis fünf Hausärzte untergebracht werden – bei einem durchschnittlichen Patientenstamm von 1.400 bis 1.500 Personen pro Arzt bedeutet das ein erhebliches tägliches Besucheraufkommen. Dennoch sieht die derzeitige Planung keine Parkmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten vor. Der nächste vorgesehene Parkplatz befindet sich beim Krankenhaus Meran, der selbst bald sich im Umbau befinden wird. Eine verlässliche Parkinfrastruktur wird voraussichtlich erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen. „Bereits vor Monaten haben wir Grüne darauf aufmerksam gemacht, dass die Bevölkerung nicht eingebunden worden ist und das Musikerviertel und die gesamte, bereits verkehrsgeplagte Zone rund um das Krankenhaus nun zusätzlich belastet wird. Die Stadtregierung wälzt die Verantwortung auf den Gesundheitsbetrieb ab, dabei wäre es ihre Aufgabe gewesen die Anwohner*innen zu informieren und zeitig Lösungen für das vorprogrammierte Verkehrschaos vorzuschlagen“, betont Gemeinderätin und Kandidatin der Grünen Stadtliste Olivia Kieser.
Zentrale Konzentration – Chance auf Dezentralisierung verpasst
Zwischen dem Krankenhaus in der Rosini-Straße, dem geplanten Gesundheitshaus sowie dem Sprengel in der Romstraße konzentriert sich die gesamte medizinische Grundversorgung Merans auf wenige Kilometer im Zentrum der Stadt. Kiem und Ladurner kritisieren, dass damit eine Chance verpasst wurde: „Man hätte das Gemeinschaftshaus auch im Bereich des Kasernenareals realisieren können – in einem Gebiet, in dem die Stadt Meran in Zukunft wachsen wird und das infrastrukturell viele Vorteile bietet“, so Ladurner.
Durch eine Verlegung in dieses Gebiet hätte man nicht nur eine bessere Anbindung an den Zug geschaffen – ideal für Patientinnen und Patienten aus dem Umland – sondern auch leichter Parkmöglichkeiten sowie eine zusätzliche Rettungsstützstelle für Weißes oder Rotes Kreuz realisieren können. Die nahegelegenen Viertel, wie der Vigilplatz oder das zukünftige Kasernenareal, hätten zudem erstmals eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung erhalten.
Wochenenddienst und Zukunftsplanung unklar
Zusätzlich soll der Wochenenddienst künftig ebenfalls im neuen Gebäude untergebracht werden – was eine weitere Konzentration von Menschen und Verkehrsaufkommen insbesondere an den Wochenenden bedeutet. Dabei ist bis dato unklar, wie die personelle Ausstattung des Gesundheitshauses konkret aussehen wird und welche medizinischen Schwerpunkte gesetzt werden sollen.
„Die Bevölkerung wird immer älter, chronische Erkrankungen wie Diabetes, COPD, Herzinsuffizienz und Rheuma nehmen zu“, betont Dr.in Sabine Kiem. „Gerade diese Patientengruppen benötigen eine gut abgestimmte, kontinuierliche Versorgung – möglichst barrierefrei und verkehrsarm erreichbar.“
Hitzeinseln werden gefördert
Auf dem bestehenden Gelände werden alle 10 Bäume gefällt und beinahe die gesamte Fläche versiegelt. „Klimaschutztechnisch ist es für die bereits dicht versiegelte Zone ein Desaster, dass auch diese Grünfläche einem Gebäude weichen muss. Wir hatten im Gemeinderat einen vernünftigen Grünplan für die Zone rund um das Krankenhaus gefordert, doch auch hierbei blieben Zeller/Dal Medico untätig. Besonders in dieser Zone braucht es mehr Grünflächen, anstatt weniger“, sagt Fraktionssprecherin der Grünen, Julia Dalsant.
Fazit: Gute Idee, unausgereifte Umsetzung
„Wir begrüßen das Konzept eines wohnortnahen Gesundheitszentrums ausdrücklich“, so Robert Ladurner, „aber die Umsetzung muss den praktischen Erfordernissen der medizinischen Versorgung und der Lebensrealität der Bevölkerung angepasst werden. Es darf nicht sein, dass mit Millionenbeträgen eine Einrichtung entsteht, deren Nutzung durch planungsbedingte Hürden stark eingeschränkt wird.“
Ulli Ceresara, das Team K und die Grüne Stadtliste Meran appellieren daher an die zuständigen Stellen, die genannten Punkte nochmals zu überdenken und im Sinne einer funktionierenden, zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung nachzubessern.